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Die Sächsische Silberstrasse
Geschrieben von Michael Brey   
Freitag, 14. September 2007

Die Silberstraße endete in Sachsen Landeshauptstadt Dresden. Auf einer Stadtführung durch Dresden ist noch heute die Bedeutung dieser Straße für den Verlauf der Geschichte ganz Sachsens spürbar.�

Von Zwickau erstreckt sich die etwa 140 km lange Straße bis nach Dresden. An ihrem Weg liegen die Bergstädte Schneeberg, Annaberg-Buchholz, Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein, Marienberg und Freiberg. An ihrem Straßenverlauf finden sich eine Vielzahl von bedeutenden technischen Denkmälern, darunter Schaubergwerke, Münzstätten und Hammerwerke.

Der gezielte Aufbau der frühneuzeitlichen Montanregion im Erzgebirge war nur möglich durch den Ausbau dieses wichtigen Verkehrsweges.

Der Silberbergbau begann vor allem im 13. und frühen 14. Jahrhundert im Osterzgebirge, um dann im fünfzehnten Jahrhundert in Geising und Altenberg durch Zinnbergbau ergänzt zu werden.

Als dann Schneeberg 1471 gegründet wird und Annaberg 1496 sowie Marienberg 1521 folgen, war der Verlauf der Silberstraße weitgehend vorgegeben. Diese Städte sorgten für Straßengeleit und Straßensicherung, die Instandhaltung der Straße wurde durch eine eigens erhobene Gebühr ermöglicht. Die Bedeutung des Verkehrs im Erzgebirge zwang die Landesherren allerdings zur ständigen Kontrolle des Geleitverkehrs. Aufgrund des schwierigen, gebirgigen Geländes war der Unterhaltungsaufwand sehr groß. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit entstanden Straßen normalerweise an Stellen, die durch ein begünstigtes Bodenrelief gekennzeichnet waren, an Flußübergängen sowie infolge herrschaftlicher Entwicklungsstrategien des Landesherrn. Im Erzgebirge mußten die Straßen zu den schwer zugänglichen Montanstädten führen.

Wie sahen die Straßen nun aus? In den Städten hatte man im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Straßen häufig durch sog. Knüppelwege und seit dem 14. Jahrhundert zunehmend auch durch Steinpflaster befestigt. Die Überlandstraßen muß man sich noch weitgehend unbefestigt vorstellen.

Bei der Silberstraße spielten neben der Politik des Landesherrn vor allem die städtischen Eigeninteressen eine große Rolle.

Der Landesherr war bereits bei der Verleihung des Stadtrechts involviert und bekundete sein Interesse häufig durch seine persönliche Anwesenheit in den neu gegründeten Städten.

Spektakulär war die Einladung Herzog Georgs 1477 nach Schneeberg, wo er selbst in die Grube St. Georg einfuhr und an einer silbernen Erzstufe in Form eines Tisches gegessen hatte. Aus dieser Erzstufe wurde später Silber mit etwa 400 kg Gewicht gewonnen. Einige Jahre später entstand die Schneeberger Lateinschule (1485). In Schneeberg legte man auch früh schon eine Talsperre an, deren Wasser die Pochwerke und die Kunstgezeuge der Schächte seit 1484 antrieben. In Schneeberg dauerte der Silbersegen nur kurz, so daß man sich dort schon im 16. Jahrhundert auf die Gewinnung anderer Erze wie Kobalt, Wismut, Nickel und Arsen verlegte.

Wieder war es Herzog Georg der Bärtige, der zwanzig Jahre später das etwa 20 km östlich von Schneeberg gelegene Annaberg gründete. Als 1492 am dortigen Schreckenberg ein reicher Erzgang gefunden wurde, ließ der albertinische Herzog das Gebiet vermessen und unterhalb des sog. Pöhlbergs planmäßig eine Stadt anlegen. So entstand 1496 die "Neustadt am Schreckenberg". Da der ernestinische Kurfürst Friedrich III. ebenfalls am Silberreichtum des Erzgebirges partizipieren wollte, ließ dieser direkt benachbart zur albertinischen "Neustadt" das St. Katharinenberg anlegen. Später erhielt diese Siedlung den Namen Buchholz. Die "Neustadt" hieß schon seit 1501 St. Annaberg. Als im 18. Jahrhundert der Bergbau auch in Annaberg nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll war, wurden bereits bestehende häusliche Industrien wie die bereits von Barbara Uttmann geförderte Spitzenklöppelei und die Posamentenmacherei dominierend.

Marienberg ist etwas weiter nördlich gelegen und wurde von dem Bruder Georgs des Bärtigen, Herzog Heinrich dem Frommen, angelegt. Bei der Gründung 1521 wollte er seine Stadt unter den Schutz der Madonna gestellt sehen. Nachdem er 1536 Protestant geworden war, hätte er wohl lieber ein anderes Patrozinium für die Stadt gewählt. Beim Blick auf den 1 ha großen Marktplatz wird klar, welche gewaltige Vision Herzog Heinrich mit seiner Stadtgründung verknüpfte. Er orientierte seine Stadtgründung naturgemäß an den beiden nahegelegenen Orten St. Annaberg und St. Katharinenberg sowie an Schneeberg, die allesamt florierten. Um seine eigene Gründung in diesen Kontext selbstbewußt einreihen zu können, ließ er eine Stadt entstehen, die schon in ihrer klaren und übersichtliche, auf den riesigen Marktplatz hin orientierten Anlage sich von den anderen eher noch mittelalterlich geprägten Strukturen der Bergstädte abhebt.

 

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